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The Executive School of the University of St.Gallen

Insights and observations on management and executive education from our directors and faculty.

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Prof. Winfried Ruigrok

Prof. Winfried Ruigrok

Dean

Dean of the Executive School of Management, Technology and Law and Director of the Research Institute for International Management at the University of St.Gallen (HSG) […]

Die neue internationale Normalität

Die Globalisierung fordert die Schweizer Hochschulen auf, effektive und international ausgerichtete Angebote zu entwickeln. Einige Orientierungshinweise.

Vor 30 Jahren erschienen global agierende Manager von Grossfirmen wie Nestlé oder Roche manchen Bürgern noch als Entdeckungsreisende. Heute ist dies anders: Auch viele KMU wickeln mittlerweile die grosse Mehrheit ihres Geschäfts im Ausland ab.

Im Jahr 2009 erwirtschafteten die hundert grössten Schweizer Unternehmen im Schnitt über 60 Prozent ihrer Verkäufe im Ausland (Kantonalbanken und regionale Energieversorger ausgenommen). Mehr als 40 Prozent der Geschäftsleitungsmitglieder dieser Unternehmen waren Ausländer.

Die Management- und Führungsherausforderungen für hochgradig internationalisierte Unternehmen erscheinen auf den ersten Blick vielleicht einfacher zu bewältigen als bei Unternehmen, die gerade den ersten Schritt ins Ausland wagen. Viele Hürden sind ja schon genommen. Dies mag stimmen, aber in der zweiten Spielhälfte wird der Weg nicht leichter! Im Schnitt sind die relativen Renditen bei Unternehmen mit über 60 Prozent der Verkäufe im Ausland sogar tiefer als bei Unternehmen, die weniger als die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland erzielen.

Viele Manager werden bestätigen, dass die Kosten in kulturell entfernten Märkten in Asien, Süd-Amerika oder Afrika leicht ins Wanken geraten. Erfolgreiche Praktiken in einem Land funktionieren nicht immer in einem anderen. Unsere Forschung zeigt, dass Unternehmen mit lokalen Managern an der Spitze lokaler Tochtergesellschaften in kulturell entfernten Märkten im Schnitt eine bessere Leistung erbringen als solche ohne. Im Klartext: Ausländische Manager machen Schweizer Unternehmen im fernen Ausland erfolgreicher. Noch besser ist es, diesen Führungskräften weitere Perspektiven in der Organisation zu bieten.

Hier kommen die Schweizer Hochschulen ins Spiel. Die Globalisierung bietet den Hochschulen die Chance, Weiterbildungsangebote auf den Markt zu bringen, die Schweizer und ausländische Führungskräfte besser auf die globale Wirtschaft vorbereiten. An der Universität St. Gallen (HSG) haben wir mit einer wachsenden Reihe international ausgerichteter Weiterbildungsprogramme über die Jahre wertvolle Erfahrungen gesammelt.

Es ist erstens nicht einfach, ein wirklich internationales Weiterbildungsprogramm aufzubauen. Als die HSG 2005 das englischsprachige MBA-Programm lancierte, stärkte dies eine Art Spezialisierung unter den Dozierenden – mit der Folge, dass nicht länger daran festgehalten wurde, dass jeder Dozierende auf jeder Ausbildungsebene (Assessment, Bachelor, Master, Doktorat und Weiterbildung) vertreten sein musste. Dank der kritischen Grösse der HSG und der Unterstützung der Universitätsleitung konnten die Kinderkrankheiten überwunden werden. Mit Erfolg: In der Vollzeitgruppe von 32 Studierenden, die Ende August 2012 graduierte, gab es 22 Nationalitäten, die Vorlesungen und Seminare von Dozierenden aus über einem Dutzend Ländern besuchten. Wer sich für ein wirklich internationales Weiterbildungsprogramm interessiert, sollte den Stundenplan des Programms genau prüfen und schauen, ob das Teilnehmerprofil, der Lehrkörper, die Philosophie der Institution und die versprochenen Kontakte glaubwürdig sind und mit den eigenen (internationalen) Lernzielen übereinstimmen.

Zweitens ist nicht jedes internationale Programm auch ein gutes Programm. Manche Schulen sind primär darauf ausgerichtet, Geld zu verdienen. Die Qualität internationaler Weiterbildungsprogramme ist oft schwer einschätzbar, deshalb lohnt eine Orientierung zu Anbietern mit hervorragendem Ruf, die sich dem internationalen Wettbewerb stellen. Seit einigen Jahren nimmt die HSG als einzige Schweizer Universität an allen Rankings der Financial Times teil. Sowohl Schweizer als auch ausländische Interessenten und Unternehmen schauen vermehrt auf diese Rankings. Bei fehlenden Rankingergebnissen gewährleisten auch Qualitätssiegel internationaler Akkreditierungsagenturen (Equis, AACSB) einen Mindeststandard.