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The Executive School of the University of St.Gallen

Insights and observations on management and executive education from our directors and faculty.

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Dr. Gudrun Sander

Dr. Gudrun Sander

Director for Diversity and Management Programs

Dr. Gudrun Sander ist verantwortlich für das Programm “Women Back to Business”. Sie ist Dozentin an der HSG und Direktorin für Diversity und Management Programme der Executive School der Universität St. Gallen. […]

Ressourcen der Frauen besser nutzen

Evaluation bestätigt Erfolgskurs des Programms „Women Back to Business“

Wenn gut ausgebildete Frauen nach einer längeren Elternzeit nicht in ihren erlernten Beruf zurückkehren, ist dies nicht nur ökonomisch, sondern auch gesellschaftspolitisch zu hinterfragen. Rein makroökonomisch gesehen, gehen unserer Gesellschaft dadurch wertvolle Ressourcen verloren. Gesellschaftspolitisch bedeutet das aber auch, dass diese Frauen keine Karriereentwicklung mehr erfahren und im Alter schlechter gestellt sein werden, weil sie sich keine oder eine nur unzureichende Rente aufbauen können. Im Einzelnen verbirgt sich hinter jeder Frau ein ganz persönliches Schicksal.

Viele haben vor der Familiengründung anspruchsvolle berufliche Aufgaben wahrgenommen und nach der Geburt der Kinder zum Wohl der Familie ihre persönlichen beruflichen Wünsche zurückgestellt. Sie sind gut ausgebildet und willens zu arbeiten. Sie zögern jedoch, da die Anforderungen der Berufswelt oft nur schwer mit ihren familiären Verpflichtungen zu vereinbaren sind. Dabei sind sie motiviert, berufserfahren und haben mit der Familiengründung bewiesen, dass sie Verantwortung übernehmen wollen und können. Um diesen Frauen eine Brücke zu bauen und ihnen das nötige Rüstzeug für die Rückkehr in den Beruf oder den Umstieg in einen qualifizierteren Job auf den Weg zu geben, rief ich im Auftrag der Executive School im Herbst 2008 die Management-Weiterbildung „Women Back to Business“ ins Leben.

Die Nachfrage hat das Kurskonzept, das im deutschsprachigen Raum einzigartig ist, bestätigt und inzwischen haben vier Jahrgänge den Zertifikatskurs abgeschlossen. Dies war ein guter Zeitpunkt, um eine erste Zwischenbilanz zu ziehen und zu erfassen, ob der Kurs zur Veränderung der Lebenssituation der Absolventinnen beitragen konnte. Die externe Evaluation hat ergeben, dass mehr als drei Viertel der Absolventinnen bisher den Wiedereinstieg oder Umstieg geschafft haben.

Lebensmodell verschiebt sich

Die Teilnehmerinnen arbeiten nach dem Programm vermehrt in einer Festanstellung oder Selbstständigkeit zu einem durchschnittlich höheren Brutto‐Jahreseinkommen. Das Lebensmodell verschiebt sich hin zu einer Teilzeitbeschäftigung mit Vollzeit berufstätigen Partner. Zudem kann aufgezeigt werden, dass sich die persönlichen Gefühle und Befindlichkeiten in positiver Weise verändern. Als der grösste persönliche Nutzen der Absolventinnen tritt die Stärkung des beruflichen Selbstwertgefühls hervor. Die Frauen geben an, dass die Weiterbildung einen sehr wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung ihrer Sach‐, Sozial‐ und Selbstkompetenzen leisten konnte.

Passung zwischen Angebot und Nachfrage verbessern

Somit hat die Evaluation gezeigt, dass wir mit „Women Back to Business“ auf dem richtigen Weg sind und wir viele Frauen bei der Findung eines adäquaten Lebensmodells unterstützen konnten. Die Befragung hat aber auch ergeben, dass viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber den gut ausgebildeten Wiedereinsteigerinnen gegenüber noch nicht so aufgeschlossen sind, wie sie es sich wünschen würden. Es bleibt weiterhin viel zu tun, um die Passung zwischen Angebot und Nachfrage zu verbessern. Viele Frauen würden gerne mehr arbeiten, wenn die Arbeitsbedingungen flexibler wären. Sie suchen mehrheitlich anspruchsvolle Teilzeitjobs, die sich mit Beruf und Familie vereinbaren lassen.

Hier sind also weiterhin beide Seiten gefordert: Sowohl die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber als auch die Frauen selbst. Wenn jede Seite einen Schritt aufeinander zugeht, können alle profitieren. Die Arbeitgeberseite kann wertvolle, motivierte und zuverlässige Mitarbeiterinnen gewinnen, wenn sie mit flexibleren Arbeitsbedingungen entgegen kommt. Das ist übrigens auch eine Erwartung der jüngeren Generation (Generation Y). Die Frauen gewinnen, weil sie sich wieder ein berufliches Standbein aufbauen oder den Umstieg in eine qualifiziertere Position schaffen.